Sumerien (Civ6): Unterschied zwischen den Versionen

Aus CivWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Die Seite wurde neu angelegt: „{{Begriffskl | text = Dieser Beitrag befasst sich mit '''Sumerien''', wie es in ''Civilization VI'' vorkommt. Für Informationen über die entsprechende Zivili…“)
 
 
(3 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 8: Zeile 8:
 
| Ziv_Eigenschaft =  {{Eigenschaft_Sumerien_Civ6}}
 
| Ziv_Eigenschaft =  {{Eigenschaft_Sumerien_Civ6}}
 
<!-- Anführer -->
 
<!-- Anführer -->
| Ziv_Anführer  =  Gilgamesch
+
| Ziv_Anführer  =  [[Sumerien (Civ6)#Gilgamesch|Gilgamesch]]
 
<!-- Spezial -->
 
<!-- Spezial -->
 
| Ziv_Einheit = [[Streitwagen_(Civ6)#Kriegswagen|Kriegswagen]]
 
| Ziv_Einheit = [[Streitwagen_(Civ6)#Kriegswagen|Kriegswagen]]
Zeile 19: Zeile 19:
  
 
== Civilopedia ==
 
== Civilopedia ==
 +
Sumer war nie wirklich ein Königreich oder überhaupt ein Reich, sondern eher eine Ansammlung von Stadtstaaten mit gemeinsamen Bräuchen und manchmal sogar einer Zentralverwaltung. Es gilt aber dennoch manchmal als die erste "Zivilisation" der Welt. Die Königswürde (oder genauer: Hegemonie) wurde von der Priesterschaft verliehen, was eine Folge kurzer Herrscherdynastien aus etablierten und einflussreichen Stadtstaaten zum Ergebnis hatte: Kiš, Lagasch, Ur, Uruk, Adab und so weiter. Irgendwann vor 3000 v. Chr. entwickelten die Sumerer auch eine Schriftsprache (in ihrer proto-alphabetischen Epoche war es wohl eher eine Logografie), also haben die Geschichtsforscher zumindest eine Ahnung davon, was damals geschah.
  
 +
Aus diesen Schriften und - sollten Zweifel an den Schriften bestehen - auch aus archäologischen Beweisen geht hervor, dass die Obeder die erste Zivilisation (wobei die Standards für Zivilisationen hier recht niedrig angesetzt sind) in der Region gründeten, die "Sumer" genannt wurde. Sie legten Sümpfe entlang des Euphrat trocken, bauten Hütten und Mauern aus Lehmziegeln, bewässerten Felder, entwickelten die Weberei, Lederbearbeitung, Töpferei und das Maurerhandwerk sowie eine geschriebene Sprache. Und bald darauf übernahmen sie ein weiteres Element zivilisierter Gesellschaften - den Einsatz von Sklaven, die sie in den Hügelregionen im Norden gefangen nahmen. Dann erbauten sie einige Dörfer, meistens um einen Tempel mit einer Zentralverwaltung herum (üblicherweise saß dort ein Priesterkönig mit einem Stab älterer Berater). Die sumerische Zivilisation verschmolz aufgrund all dieser Verstädterung schließlich irgendwann im vierten Jahrtausend v. Chr.
 +
 +
Die Entwicklung der Priesterkönige zu rein autokratischen Königen vollzog sich irgendwann um 2900 v. Chr. und läutete das "dynastische Zeitalter" von Sumer ein, das sich in einer langen Liste, der sogenannten sumerischen Königsliste, niederschlug. Einige Dynastien stellten mehrere Jahre lang und oft auch mehrfach den König von Sumer (es gab beispielsweise fünf Uruk- und drei Kisch-Dynastien). Die Herrscherwürde über den Stadtstaat wurde von der Priesterschaft in der heiligen Stadt Nippur verliehen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Autorität des sumerischen Königs eher begrenzt war - außer in seiner eigenen Stadt - doch er hatte dennoch in ganz Sumer für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
 +
 +
Anscheinend machten sie ihre Arbeit aber nicht allzu gut. Wie die wenigen noch existierenden Schriften und Bauwerke belegen, waren die nächsten Jahrhunderte von zunehmender Gewalt geprägt: Hohe Mauern wurden errichtet (beispielsweise von Gilgamesch für seine Stadt Uruk) und kleinere Dörfer im südlichen Zweistromland verschwanden. Die einflussreicheren Stadtstaaten bildeten nach und nach zum Zwecke des Handels und der Verteidigung Bündnisse. Außerdem war unvermeidlich, dass einige Stadtstaaten dauerhaft andere unter ihre Kontrolle zwingen wollten ... durch Waffengewalt.
 +
 +
Die erste wirklich erfolgreiche Dynastie war die von Lagasch (etwa 2500-2270 v. Chr.) unter Eanatum, der Sumer praktisch komplett annektierte - Kisch, Uruk, Larsa und weitere Stadtstaaten - und die Stadt Umma, Lagaschs Erzfeind, zu einem Tributzahler herabsetzte. Die Lagasch-Könige scheinen den Terror als politisches Mittel benutzt zu haben - die passend benannte Geierstele zeigt, was den Feinden von Lagasch zustieß (nichts Nettes). Schließlich wurde Lagasch von den Königen von Umma gestürzt, die anschließend Uruk einnahmen und zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das ihnen zufolge vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer reichte. In Umma lebten die letzten ethnischen Sumerer, die an der Macht waren, bevor Sargon von Akkad dort einmarschierte.
 +
 +
Ab diesem Zeitpunkt waren die Schicksale der nicht-semitischen Sumerer und der semitischen Akkader untrennbar ineinander verwoben. Das Akkadische Reich erblühte um 2400 v. Chr., als Sargons überlegene Truppen den Großteil der Stadtstaaten überrannten, die sie erreichen konnten. Die Priesterschaft beugte sich dem Unausweichlichen (und nach der Einnahme Nippurs durch die Akkader war das auch klug) und erkannte die akkadische Herrschaft über Sumer an. Die semitische Sprache der Akkader ersetzte die Ursprache der Sumerer, und wurde mehr und mehr zur "Schriftsprache". Akkadische Bräuche wurden zu sumerischen Bräuchen und die Religionen verschmolzen in einem großen Pantheon.
 +
 +
Es lief nun recht gut für alle Beteiligten (außer vielleicht für die Sklaven und Arbeiter), bis das Reich der Akkader zusammenbrach und in der Region ein dunkles Zeitalter begann, das bis zur dritten Ur-Dynastie andauerte, die sich um 2112 v. Chr. erhob. Es war eine Zeit der Anarchie. Bewässerungssysteme brachen zusammen, Felder lagen brach und die barbarischen Guti-Stämme aus dem Zagros-Gebirge überfielen Sumer. Diese Gutäer schienen nicht allzu viel für die Annehmlichkeiten der Zivilisation übrig zu haben. Nachdem sie sich selbst in den meisten Stadtstaaten als Herrscher eingesetzt hatten, zeigten sie nur wenig Interesse an Ackerbau, schriftlichen Aufzeichnungen oder öffentlicher Sicherheit. Angeblich ließen sie alles sumerische Vieh frei. Dazu kamen eine Jahrzehnte lange, schwere Dürreperiode und rapide steigende Preise für Getreide, was in der ganzen Region zu einer Hungersnot führte.
 +
 +
Zudem wurde auch noch die Hauptstadt Akkad mehrfach geplündert und zwar so gründlich (Barbaren sind richtig gut im Plündern), dass die Ruinen bis heute nicht gefunden wurden. Mehrere südlicher gelegene Stadtstaaten nutzten diese Verwirrung zu ihrem Vorteil und schafften es, ein unabhängiges Herrschaftsgebiet aufzubauen. Die Gutäer kamen mit all der Häuslichkeit nicht zurecht und zogen sich zurück, wodurch die Dynastie in Lagasch erneut zu regionaler Bedeutung kam. Um 2093 v. Chr. erhielt die Lagasch-Dynastie - die sich nun selbst als von Gottes Gnaden bezeichnete - von den nippurischen Priestern die Herrschaft über alle anderen.
 +
 +
Lange dauerte diese Herrschaft allerdings nicht. Innerhalb von 50 Jahren wurde die Lagasch-Dynastie von der dritten Dynastie von Ur abgelöst, Könige waren Ur-Nammu und sein Sohn Šulgi. Als Utuhengal von Uruk (die Nachfolge-Dynastie von Lagasch) die restlichen Gutäer unter deren letztem König Tirigan besiegt hatte, war Sumer wieder da. Doch die fünfte Uruk-Dynastie endete (laut der Königsliste) nach sieben Jahren abrupt mit dem Aufstieg von Ur-Nammu. Die Umstände sind unklar; einige Historiker denken, dass es eine Revolte von Ur gab, andere wiederum glauben, dass Nammu irgendwie mit Hengal verwandt war und friedlich zum König wurde. Was auch stimmen mag - Nammu und sein Sohn eroberten alle Stadtstaaten bis ins nördliche Mesopotamien und nötigten sie zur Teilnahme an der "sumerischen Renaissance".
 +
 +
In dieser Renaissance kehrten die Ausschmückungen zurück, überall tauchten neue Stelen auf, die Religion hatte nach dem Weggang der letzten atheistischen Guti wieder größeren Einfluss, der Ackerbau erblühte wieder und es entstand der Pfeiler der Zivilisation - eine Art Gesetzbuch - in Form einer von Ur-Nammu verfassten langen Liste von Verbrechen und deren Bestrafung (die meisten davon waren Geldstrafen, doch es finden sich auch einige Hinrichtungen und abgehackte Gliedmaßen). Nammu unternahm auch große Bauprojekte und die Wohlhabenden finanzierten Werke aus Kunst und Literatur. Besonders bemerkenswert sind hierbei Entwicklungen in Architektur und bildender Kunst (beispielsweise die Zikkurat von Ur). Es gab so viel Fortschritt, dass Historiker diese Epoche Neusumerische Zeit nennen, damit sie nicht den Überblick verlieren.
 +
 +
Šulgi war später sogar in der Lage seinen berühmten Vater noch zu übertreffen. Er unternahm entscheidende Schritte, um die Verwaltungsvorgänge in der Hauptstadt Ur zu vereinheitlichen. Ihm wird die Standardisierung der Bürokratie, der Archivdokumentation, des Steuersystems und des Kalenders zugeschrieben - alles Dinge, für die ihm die moderne Zivilisation zu Dank verpflichtet ist. Er errichtete eine feste Armee für sein Reich und bezahlte sie durch die gut dokumentierten Steuern. Die Priesterschaft war von ihm so beeindruckt, dass Šulgi noch zu Lebzeiten vergöttert wurde, was im Gegensatz zu heute eine sehr seltene Ehre war.
 +
 +
Doch als sein Enkel Ibbi-Sin 1963 v. Chr. zum König wurde, lief es für Sumer nicht mehr so rosig. In den ersten zwanzig Jahren seiner Herrschaft ließen wiederholte Überfälle und Plünderungen der kriegerischen Amoriter Ibbi-Sins Untertanen mehr und mehr an dessen Führungsqualitäten zweifeln. Elam erklärte seine Unabhängigkeit und schloss sich den allgemeinen Plünderungen von Handelskarawanen und ungeschützten Siedlungen an. Und es wurde immer schlimmer. Ibbi-Sin befestigte das Gebiet um Ur und Nippur - vergebens.
 +
 +
Da der König Sumer offenbar nicht verteidigen konnte, folgten mehr und mehr Stadtstaaten Elam und spalteten sich von der wankenden Hegemonie ab. Der Kornpreis stieg auf das Sechzigfache, Krankheiten befielen mehrere Stadtstaaten - die Reiter der Apokalypse schienen auf Sumer niedergekommen zu sein. In den letzten Jahren Sumers verwaltete Ibbi-Sin nur noch seinen eigenen Stadtstaat Ur. 1940 v. Chr. fiel eine elamitische Armee zusammen mit den "wilden" Stammesleuten aus dem Zagros-Gebirge in Ur ein und nahm Ibbi-Sin gefangen. Er wurde nach Elam gebracht und dort eingesperrt und starb kurze Zeit später (die Ursache für sein vorzeitiges Ableben ist nicht überliefert).
 +
 +
Der Ruhm Sumers war Vergangenheit. Doch seine Errungenschaften - hauptsächlich, weil die Sumerer auf so vielen Gebieten Pioniere waren - haben den Zahn der Zeit überdauert. Der berühmte Sumerologe Samuel Noah Kramer listet in seinem Werk "Die Geschichte beginnt mit Sumer" 39 solche Errungenschaften auf, unter anderem ...
 +
 +
Die Sumerer, die in einer halböden Umgebung an Flüssen Ackerbau betrieben, waren die Ersten, die Bewässerungsrinnen, Kanäle und schließlich Reservoire anlegten. Sie entwickelten zwar nicht unbedingt als Erste die Schrift, waren auf diesem Gebiet aber Vorreiter - sogar viele Jahrhunderte lang - und sie schrieben alles nieder, sodass sich noch viele zukünftige Generationen an sie erinnern würden. Und sie lagerten als Erste all diese Aufzeichnungen in Verwahrstellen (somit die ersten "Bibliotheken"). Dabei waren sie auch die Ersten, die alle möglichen Literaturarten entwickelten: Liebesgedichte, Heldengeschichten, Tierfabeln, Autobiografien, Elegien und so weiter.
 +
 +
Neben all diesen literarischen Formen entwickelten die Sumerer auch noch das Konzept des schriftlichen Vertrags (es versteht sich von selbst, dass auch diese in den Verwahrstellen gelagert wurden, damit sich niemand aus einer Vereinbarung herauswinden konnte) und den finanziellen Segen in Form von "Kredit". Der Gedanke, dass man zunächst nur einen Teilbetrag bezahlen musste und den Rest "schulden" konnte, befeuerte die sumerische Wirtschaft, obwohl er für Verkäufer gar nicht so attraktiv war. Man standardisierte Zahlen, sodass man alles Finanzielle genau nachvollziehen konnte. Und damit Rückzahlungen auf geordnete Art vollzogen wurden, unterteilten die Sumerer das Jahr als Erste in Monate und den Tag in gleiche Einheiten.
 +
 +
Außerdem waren die Sumerer die erste Zivilisation, die das Rad sinnvoll einsetzte: Karren hatten Räder, Pflüge hatten Räder, Streitwagen hatten Räder. So nahmen Handel, Ackerbau und Krieg weniger Zeit in Anspruch. Sollten die Sumerer das Rad an sich nicht erfunden haben (und Historiker haben das bereits bis zum Erbrechen diskutiert), so fanden sie doch sicherlich viele nützliche Einsatzgebiete dafür. Eigentlich schade, dass sie nicht sehr viele Pferde hatten.
 +
 +
Die Liste der "Ersten" enthält noch viel mehr.
 +
 +
Am Ende war es jedoch der Mangel an geeignetem Baumaterial, der zu ihrem Niedergang führte. Lehmziegel lassen sich einfach nicht zu sehr hohen oder stabilen Mauern verbauen, um all die Barbaren aus dem Norden, Süden und Osten abzuhalten. Schon bald aber verdankten das Babylonische und das Assyrische Reich ihre Gründung dem Sumerischen Reich, der wahren "Wiege der Zivilisation".
  
 
== Gilgamesch ==
 
== Gilgamesch ==
Zeile 35: Zeile 71:
 
Game = Grundspiel|  
 
Game = Grundspiel|  
 
}}
 
}}
 +
Historiker wissen wenig über den halb-legendären (also eigentlich fast ganz legendären) Gilgamesch. Im Gilgamesch-Epos, das als das erste große literarische Werk betrachtet wird und in Keilschrift auf Tontafeln vor rund 4000 Jahren verfasst wurde, ist er ein Halbgott übermenschlicher Stärke, der König des Stadtstaates Uruk in der Zivilisation der Sumer war. Mit seinen großen Muskeln errichtete er die hohen Mauern von Uruk, um sein geliebtes Volk gegen Barbarenüberfälle zu schützen. Er brachte es auch dazu, Zikkurats überall im Land zu errichten.
 +
 +
Es gilt heute als gesichert, dass Gilgamesch in Wahrheit im alten Mesopotamien gelebt und regiert hat. Es gibt beiläufige Verweise auf ihn (oder zumindest auf sehr ähnliche Namen) in diversen Nicht-Keilschrift-Texten, die bis heute mehr oder minder überlebt haben. In einer Schriftrolle, die man bei Qumran fand und die man als Henoch-Buch über die Riesen (um 100 v. Chr.) bezeichnet, erscheint Gilgamesch in der Form eines der vorsintflutlichen Könige. In einem griechischen Werk des Römers Aelianus um das Jahr 200 v. Chr. wurde er als Nachfolger eines antiken Königs von Babylon erwähnt. Theodore Bar Konai, der um 800 n. Chr. über Gilgamesch schrieb, bezeichnete ihn als letzten der 12 Könige, die zur Zeit des jüdischen Stammesvaters Abraham lebten. Teile eines Textes aus den Tall-Haddad-Ausgrabungen lassen vermuten, dass der verstorbene Gilgamesch im Bett des umgelenkten Flusses Euphrat von seinen ihn Anbetenden aus Uruk beerdigt wurde.
 +
 +
Und das war es dann auch schon mit historischen Belegen über Gilgameschs Leben. Also wieder zurück zur Legende, das ist eh unterhaltsamer ...
 +
 +
Im sumerischen Mythos "Inanna und der Huluppu-Baum" pflanzt die Göttin einen Huluppu-Baum in ihrem heiligen Hain nahe Uruk wieder ein, der bei einem großen Sturm entwurzelt wurde. Sie wollte ihn genug weiter wachsen lassen, dass sie einen Stuhl und ein Bett aus ihm fertigen könnte. Der arme Baum wurde jedoch von einer Schlange heimgesucht, die sich zwischen den Wurzeln einnistete und nicht vertreiben ließ, einem bösen weiblichen Geist (Lilith) im Stamm und dem Feuer und Wasser speienden Vogel Anzu in den Ästen. Inanna wandte sich an ihren Bruder, den Sonnengott, um diese drei Plagen aus ihrem Baum zu vertreiben, doch er lehnte ab. Der mächtige Gilgamesch akzeptierte, und als er die Schlange erschlug, flohen die Anderen. Inanna bekam ihr Bett.
 +
 +
In einer anderen Geschichte, die im Epos wiedergegeben wird, überkommt Ištar - passenderweise die Göttin der Liebe und des Krieges -, als sie den attraktiven, herausgeputzten Gilgamesch mit zurückgebundenem Haar sieht, die Lust. Sie bittet Gilgamesch, ihr Ehemann zu werden, und verspricht ihm dafür eine "Ernte der Reichtümer". Doch Gilgamesch lehnt ab, ihr Spielzeug zu sein, was sie so erzürnt, dass sie ihre Eltern Anu und Antum bittet, sie den "Bullen des Himmels" entfesseln zu lassen, damit er den arroganten Halbgott zu Tode trampelt. Ganz Uruk erzittert, als der Bulle brüllend und schnaufend niederkommt; Hunderte sterben, als die Erde unter seinen Hufen bricht. Gilgameschs "Gefährte" Enkidu greift den Bullen an und Gilgamesch folgt ihm schon bald. Zusammen erlegen sie die Bestie. Ištar ist mittlerweile auf die berühmten Mauern der Stadt geklettert und verflucht von dort die Krieger, flieht jedoch, als sie von Gilgamesch bedroht wird. Während Ištar und ihre Anhänger den Bullen betrauern (und Ištar darüber nachdenkt, was sie ihren Eltern erzählen soll), sonnt sich Gilgamesch in den Schmeicheleien seines Volkes.
 +
 +
Und dann gibt es noch die Geschichte von Gilgamesch und der Unterwelt. Sie beginnt damit, dass sich Gilgamesch bei Enkidu beschwert, dass eines seiner Besitztümer (welches genau ist unklar: in einer Übersetzung ist es eine Trommel, in einer anderen ein Ball - was einem einen Eindruck vermittelt, was in der Kindheit der Erde wichtig war) in die Unterwelt gefallen war. Enkidu meldete sich freiwillig, es zurückzuholen. Gilgamesch ist erleichtert, dass jemand anderes die Verantwortung für seine Sorglosigkeit übernehmen will, und erklärt seinem Freund ausführlich, was er alles nicht in der Unterwelt tun darf, wenn er von dort zurückkehren möchte. Und natürlich tut er alles trotzdem. Enkidu steckt in der Unterwelt fest, bis Gilgamesch die Götter Enki und Schamasch überzeugt, einen Spalt im Boden zu öffnen. Heraus springt der Geist seines Freundes. Aber nicht für lange.
 +
 +
In dem Epos reist Gilgamesch voller Trauer über den Verlust von Enkidu und dem Gedanken an seine eigene Sterblichkeit zu seinem Ahnen, dem weisen Utnapischtim, der seine weltlichen Besitztümer zurückgelassen und sich ein großes Schiff gebaut hat, um so die große Sintflut zu überleben. Der alte Mann rät Gilgamesch, seine Suche nach der Unsterblichkeit aufzugeben, berichtet ihm aber gleichzeitig von einer seltenen Pflanze, die den König wieder jung machen würde. Gilgamesch findet diese schließlich auf dem Grund eines Flusses, wo sie wächst, doch eine Schlange stiehlt sie. Als die Schlange sich wegschlängelt, wirft sie ihre Haut ab und wird wieder jung. Entmutigt kehrt der König nach Hause zurück.
 +
 +
Trotz allem lebte Gilgamesch - laut der alten sumerischen Königsliste - 126 Jahre lang. Kein übles Alter, selbst nach modernen Maßstäben, und erst recht spektakulär in einem Zeitalter von Hungersnöten, Kriegen, Dreck und Krankheiten, wo einen die kleinste Erkältung töten konnte. Um diese langen Jahre mit Inhalt zu füllen, bauten Gilgamesch und Ur-Nungal, sein Sohn und Nachfolger, den Tempel der Göttin Ninlil in der heiligen Stadt Nippur wieder auf, gerade etwas von Uruk aus den Fluss hinunter.
  
 +
Zurück zu den Fakten ... also, vielleicht. Im Jahr 2003 behaupteten deutsche Archäologen, das Grab von Gilgamesch in einem einstigen Flussbett des Euphrats gefunden zu haben, begraben unter dem Sand der Wüste des Iraks. Die Magnetresonanztechnik, die präzise genug ist, den Unterschied zwischen ausgetrockneten Ablagerungen und antiken Lehmziegeln zu erkennen, zeigte Gartenanlagen, Gebäude und Mauern eines Palasts, der die Grabkammer des Halbgottes enthielt. Militäraktionen haben seitdem sämtliche Versuche der Ausgrabung unmöglich gemacht, aber es besteht noch immer die kühne Hoffnung, dass Archäologen eines Tages die Knochen des mächtigen Gilgamesch ausgraben werden.
  
 
{{Navigationsleiste Civilization VI Zivilisationen}}
 
{{Navigationsleiste Civilization VI Zivilisationen}}
 
[[Kategorie:Civ6]]
 
[[Kategorie:Civ6]]
 
[[Kategorie:Zivilisationen (Civ6)]]
 
[[Kategorie:Zivilisationen (Civ6)]]

Aktuelle Version vom 12. Juni 2026, 10:40 Uhr

Wiki Begriffsklärung.png

Dieser Beitrag befasst sich mit Sumerien, wie es in Civilization VI vorkommt. Für Informationen über die entsprechende Zivilisation in anderen Teilen der Spielereihe siehe Sumerien.


dunkelblau, orange

Sumerien
Civilization 6

Eigenschaft
Epische Quests
  • Beim Einnehmen eines Barbaren-Außenpostens eine Stammesdorf-Belohnung zusätzlich zum üblichen Gold Gold erhalten. Ihr zahlt nur noch die Hälfte der Kosten, um Stadtstaat-Einheiten ausheben.
Anführer
Gilgamesch
Spezial
Spezialeinheit:
Kriegswagen
Spezialbezirk:

Grundspiel


Civilopedia

Sumer war nie wirklich ein Königreich oder überhaupt ein Reich, sondern eher eine Ansammlung von Stadtstaaten mit gemeinsamen Bräuchen und manchmal sogar einer Zentralverwaltung. Es gilt aber dennoch manchmal als die erste "Zivilisation" der Welt. Die Königswürde (oder genauer: Hegemonie) wurde von der Priesterschaft verliehen, was eine Folge kurzer Herrscherdynastien aus etablierten und einflussreichen Stadtstaaten zum Ergebnis hatte: Kiš, Lagasch, Ur, Uruk, Adab und so weiter. Irgendwann vor 3000 v. Chr. entwickelten die Sumerer auch eine Schriftsprache (in ihrer proto-alphabetischen Epoche war es wohl eher eine Logografie), also haben die Geschichtsforscher zumindest eine Ahnung davon, was damals geschah.

Aus diesen Schriften und - sollten Zweifel an den Schriften bestehen - auch aus archäologischen Beweisen geht hervor, dass die Obeder die erste Zivilisation (wobei die Standards für Zivilisationen hier recht niedrig angesetzt sind) in der Region gründeten, die "Sumer" genannt wurde. Sie legten Sümpfe entlang des Euphrat trocken, bauten Hütten und Mauern aus Lehmziegeln, bewässerten Felder, entwickelten die Weberei, Lederbearbeitung, Töpferei und das Maurerhandwerk sowie eine geschriebene Sprache. Und bald darauf übernahmen sie ein weiteres Element zivilisierter Gesellschaften - den Einsatz von Sklaven, die sie in den Hügelregionen im Norden gefangen nahmen. Dann erbauten sie einige Dörfer, meistens um einen Tempel mit einer Zentralverwaltung herum (üblicherweise saß dort ein Priesterkönig mit einem Stab älterer Berater). Die sumerische Zivilisation verschmolz aufgrund all dieser Verstädterung schließlich irgendwann im vierten Jahrtausend v. Chr.

Die Entwicklung der Priesterkönige zu rein autokratischen Königen vollzog sich irgendwann um 2900 v. Chr. und läutete das "dynastische Zeitalter" von Sumer ein, das sich in einer langen Liste, der sogenannten sumerischen Königsliste, niederschlug. Einige Dynastien stellten mehrere Jahre lang und oft auch mehrfach den König von Sumer (es gab beispielsweise fünf Uruk- und drei Kisch-Dynastien). Die Herrscherwürde über den Stadtstaat wurde von der Priesterschaft in der heiligen Stadt Nippur verliehen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Autorität des sumerischen Königs eher begrenzt war - außer in seiner eigenen Stadt - doch er hatte dennoch in ganz Sumer für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Anscheinend machten sie ihre Arbeit aber nicht allzu gut. Wie die wenigen noch existierenden Schriften und Bauwerke belegen, waren die nächsten Jahrhunderte von zunehmender Gewalt geprägt: Hohe Mauern wurden errichtet (beispielsweise von Gilgamesch für seine Stadt Uruk) und kleinere Dörfer im südlichen Zweistromland verschwanden. Die einflussreicheren Stadtstaaten bildeten nach und nach zum Zwecke des Handels und der Verteidigung Bündnisse. Außerdem war unvermeidlich, dass einige Stadtstaaten dauerhaft andere unter ihre Kontrolle zwingen wollten ... durch Waffengewalt.

Die erste wirklich erfolgreiche Dynastie war die von Lagasch (etwa 2500-2270 v. Chr.) unter Eanatum, der Sumer praktisch komplett annektierte - Kisch, Uruk, Larsa und weitere Stadtstaaten - und die Stadt Umma, Lagaschs Erzfeind, zu einem Tributzahler herabsetzte. Die Lagasch-Könige scheinen den Terror als politisches Mittel benutzt zu haben - die passend benannte Geierstele zeigt, was den Feinden von Lagasch zustieß (nichts Nettes). Schließlich wurde Lagasch von den Königen von Umma gestürzt, die anschließend Uruk einnahmen und zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das ihnen zufolge vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer reichte. In Umma lebten die letzten ethnischen Sumerer, die an der Macht waren, bevor Sargon von Akkad dort einmarschierte.

Ab diesem Zeitpunkt waren die Schicksale der nicht-semitischen Sumerer und der semitischen Akkader untrennbar ineinander verwoben. Das Akkadische Reich erblühte um 2400 v. Chr., als Sargons überlegene Truppen den Großteil der Stadtstaaten überrannten, die sie erreichen konnten. Die Priesterschaft beugte sich dem Unausweichlichen (und nach der Einnahme Nippurs durch die Akkader war das auch klug) und erkannte die akkadische Herrschaft über Sumer an. Die semitische Sprache der Akkader ersetzte die Ursprache der Sumerer, und wurde mehr und mehr zur "Schriftsprache". Akkadische Bräuche wurden zu sumerischen Bräuchen und die Religionen verschmolzen in einem großen Pantheon.

Es lief nun recht gut für alle Beteiligten (außer vielleicht für die Sklaven und Arbeiter), bis das Reich der Akkader zusammenbrach und in der Region ein dunkles Zeitalter begann, das bis zur dritten Ur-Dynastie andauerte, die sich um 2112 v. Chr. erhob. Es war eine Zeit der Anarchie. Bewässerungssysteme brachen zusammen, Felder lagen brach und die barbarischen Guti-Stämme aus dem Zagros-Gebirge überfielen Sumer. Diese Gutäer schienen nicht allzu viel für die Annehmlichkeiten der Zivilisation übrig zu haben. Nachdem sie sich selbst in den meisten Stadtstaaten als Herrscher eingesetzt hatten, zeigten sie nur wenig Interesse an Ackerbau, schriftlichen Aufzeichnungen oder öffentlicher Sicherheit. Angeblich ließen sie alles sumerische Vieh frei. Dazu kamen eine Jahrzehnte lange, schwere Dürreperiode und rapide steigende Preise für Getreide, was in der ganzen Region zu einer Hungersnot führte.

Zudem wurde auch noch die Hauptstadt Akkad mehrfach geplündert und zwar so gründlich (Barbaren sind richtig gut im Plündern), dass die Ruinen bis heute nicht gefunden wurden. Mehrere südlicher gelegene Stadtstaaten nutzten diese Verwirrung zu ihrem Vorteil und schafften es, ein unabhängiges Herrschaftsgebiet aufzubauen. Die Gutäer kamen mit all der Häuslichkeit nicht zurecht und zogen sich zurück, wodurch die Dynastie in Lagasch erneut zu regionaler Bedeutung kam. Um 2093 v. Chr. erhielt die Lagasch-Dynastie - die sich nun selbst als von Gottes Gnaden bezeichnete - von den nippurischen Priestern die Herrschaft über alle anderen.

Lange dauerte diese Herrschaft allerdings nicht. Innerhalb von 50 Jahren wurde die Lagasch-Dynastie von der dritten Dynastie von Ur abgelöst, Könige waren Ur-Nammu und sein Sohn Šulgi. Als Utuhengal von Uruk (die Nachfolge-Dynastie von Lagasch) die restlichen Gutäer unter deren letztem König Tirigan besiegt hatte, war Sumer wieder da. Doch die fünfte Uruk-Dynastie endete (laut der Königsliste) nach sieben Jahren abrupt mit dem Aufstieg von Ur-Nammu. Die Umstände sind unklar; einige Historiker denken, dass es eine Revolte von Ur gab, andere wiederum glauben, dass Nammu irgendwie mit Hengal verwandt war und friedlich zum König wurde. Was auch stimmen mag - Nammu und sein Sohn eroberten alle Stadtstaaten bis ins nördliche Mesopotamien und nötigten sie zur Teilnahme an der "sumerischen Renaissance".

In dieser Renaissance kehrten die Ausschmückungen zurück, überall tauchten neue Stelen auf, die Religion hatte nach dem Weggang der letzten atheistischen Guti wieder größeren Einfluss, der Ackerbau erblühte wieder und es entstand der Pfeiler der Zivilisation - eine Art Gesetzbuch - in Form einer von Ur-Nammu verfassten langen Liste von Verbrechen und deren Bestrafung (die meisten davon waren Geldstrafen, doch es finden sich auch einige Hinrichtungen und abgehackte Gliedmaßen). Nammu unternahm auch große Bauprojekte und die Wohlhabenden finanzierten Werke aus Kunst und Literatur. Besonders bemerkenswert sind hierbei Entwicklungen in Architektur und bildender Kunst (beispielsweise die Zikkurat von Ur). Es gab so viel Fortschritt, dass Historiker diese Epoche Neusumerische Zeit nennen, damit sie nicht den Überblick verlieren.

Šulgi war später sogar in der Lage seinen berühmten Vater noch zu übertreffen. Er unternahm entscheidende Schritte, um die Verwaltungsvorgänge in der Hauptstadt Ur zu vereinheitlichen. Ihm wird die Standardisierung der Bürokratie, der Archivdokumentation, des Steuersystems und des Kalenders zugeschrieben - alles Dinge, für die ihm die moderne Zivilisation zu Dank verpflichtet ist. Er errichtete eine feste Armee für sein Reich und bezahlte sie durch die gut dokumentierten Steuern. Die Priesterschaft war von ihm so beeindruckt, dass Šulgi noch zu Lebzeiten vergöttert wurde, was im Gegensatz zu heute eine sehr seltene Ehre war.

Doch als sein Enkel Ibbi-Sin 1963 v. Chr. zum König wurde, lief es für Sumer nicht mehr so rosig. In den ersten zwanzig Jahren seiner Herrschaft ließen wiederholte Überfälle und Plünderungen der kriegerischen Amoriter Ibbi-Sins Untertanen mehr und mehr an dessen Führungsqualitäten zweifeln. Elam erklärte seine Unabhängigkeit und schloss sich den allgemeinen Plünderungen von Handelskarawanen und ungeschützten Siedlungen an. Und es wurde immer schlimmer. Ibbi-Sin befestigte das Gebiet um Ur und Nippur - vergebens.

Da der König Sumer offenbar nicht verteidigen konnte, folgten mehr und mehr Stadtstaaten Elam und spalteten sich von der wankenden Hegemonie ab. Der Kornpreis stieg auf das Sechzigfache, Krankheiten befielen mehrere Stadtstaaten - die Reiter der Apokalypse schienen auf Sumer niedergekommen zu sein. In den letzten Jahren Sumers verwaltete Ibbi-Sin nur noch seinen eigenen Stadtstaat Ur. 1940 v. Chr. fiel eine elamitische Armee zusammen mit den "wilden" Stammesleuten aus dem Zagros-Gebirge in Ur ein und nahm Ibbi-Sin gefangen. Er wurde nach Elam gebracht und dort eingesperrt und starb kurze Zeit später (die Ursache für sein vorzeitiges Ableben ist nicht überliefert).

Der Ruhm Sumers war Vergangenheit. Doch seine Errungenschaften - hauptsächlich, weil die Sumerer auf so vielen Gebieten Pioniere waren - haben den Zahn der Zeit überdauert. Der berühmte Sumerologe Samuel Noah Kramer listet in seinem Werk "Die Geschichte beginnt mit Sumer" 39 solche Errungenschaften auf, unter anderem ...

Die Sumerer, die in einer halböden Umgebung an Flüssen Ackerbau betrieben, waren die Ersten, die Bewässerungsrinnen, Kanäle und schließlich Reservoire anlegten. Sie entwickelten zwar nicht unbedingt als Erste die Schrift, waren auf diesem Gebiet aber Vorreiter - sogar viele Jahrhunderte lang - und sie schrieben alles nieder, sodass sich noch viele zukünftige Generationen an sie erinnern würden. Und sie lagerten als Erste all diese Aufzeichnungen in Verwahrstellen (somit die ersten "Bibliotheken"). Dabei waren sie auch die Ersten, die alle möglichen Literaturarten entwickelten: Liebesgedichte, Heldengeschichten, Tierfabeln, Autobiografien, Elegien und so weiter.

Neben all diesen literarischen Formen entwickelten die Sumerer auch noch das Konzept des schriftlichen Vertrags (es versteht sich von selbst, dass auch diese in den Verwahrstellen gelagert wurden, damit sich niemand aus einer Vereinbarung herauswinden konnte) und den finanziellen Segen in Form von "Kredit". Der Gedanke, dass man zunächst nur einen Teilbetrag bezahlen musste und den Rest "schulden" konnte, befeuerte die sumerische Wirtschaft, obwohl er für Verkäufer gar nicht so attraktiv war. Man standardisierte Zahlen, sodass man alles Finanzielle genau nachvollziehen konnte. Und damit Rückzahlungen auf geordnete Art vollzogen wurden, unterteilten die Sumerer das Jahr als Erste in Monate und den Tag in gleiche Einheiten.

Außerdem waren die Sumerer die erste Zivilisation, die das Rad sinnvoll einsetzte: Karren hatten Räder, Pflüge hatten Räder, Streitwagen hatten Räder. So nahmen Handel, Ackerbau und Krieg weniger Zeit in Anspruch. Sollten die Sumerer das Rad an sich nicht erfunden haben (und Historiker haben das bereits bis zum Erbrechen diskutiert), so fanden sie doch sicherlich viele nützliche Einsatzgebiete dafür. Eigentlich schade, dass sie nicht sehr viele Pferde hatten.

Die Liste der "Ersten" enthält noch viel mehr.

Am Ende war es jedoch der Mangel an geeignetem Baumaterial, der zu ihrem Niedergang führte. Lehmziegel lassen sich einfach nicht zu sehr hohen oder stabilen Mauern verbauen, um all die Barbaren aus dem Norden, Süden und Osten abzuhalten. Schon bald aber verdankten das Babylonische und das Assyrische Reich ihre Gründung dem Sumerischen Reich, der wahren "Wiege der Zivilisation".

Gilgamesch

Gilgamesch

Gilgamesch
ca. 3000 v. Chr.

Einzigartige Fähigkeit
Abenteuer von Enkidu
  • Kann ohne Kriegstreiber-Malus gegen jeden den Krieg erklären, der im Krieg mit Verbündeten ist. Wenn man gegen einen gemeinsamen Feind im Krieg ist, werden die Belohnungen beim Plündern und die gewonnene Kampferfahrung innerhalb von 5 Geländefeldern geteilt.
Zivilisationen & Spezialeinheit
Sumerien symbol civ6 inv.png
Agenda
Vorlage:Agenda Gilgamesch Civ6
Religion
Diplomatiebildschirm

Gilgamesch im 3D-Diplomatiebildschirm

Grundspiel


Historiker wissen wenig über den halb-legendären (also eigentlich fast ganz legendären) Gilgamesch. Im Gilgamesch-Epos, das als das erste große literarische Werk betrachtet wird und in Keilschrift auf Tontafeln vor rund 4000 Jahren verfasst wurde, ist er ein Halbgott übermenschlicher Stärke, der König des Stadtstaates Uruk in der Zivilisation der Sumer war. Mit seinen großen Muskeln errichtete er die hohen Mauern von Uruk, um sein geliebtes Volk gegen Barbarenüberfälle zu schützen. Er brachte es auch dazu, Zikkurats überall im Land zu errichten.

Es gilt heute als gesichert, dass Gilgamesch in Wahrheit im alten Mesopotamien gelebt und regiert hat. Es gibt beiläufige Verweise auf ihn (oder zumindest auf sehr ähnliche Namen) in diversen Nicht-Keilschrift-Texten, die bis heute mehr oder minder überlebt haben. In einer Schriftrolle, die man bei Qumran fand und die man als Henoch-Buch über die Riesen (um 100 v. Chr.) bezeichnet, erscheint Gilgamesch in der Form eines der vorsintflutlichen Könige. In einem griechischen Werk des Römers Aelianus um das Jahr 200 v. Chr. wurde er als Nachfolger eines antiken Königs von Babylon erwähnt. Theodore Bar Konai, der um 800 n. Chr. über Gilgamesch schrieb, bezeichnete ihn als letzten der 12 Könige, die zur Zeit des jüdischen Stammesvaters Abraham lebten. Teile eines Textes aus den Tall-Haddad-Ausgrabungen lassen vermuten, dass der verstorbene Gilgamesch im Bett des umgelenkten Flusses Euphrat von seinen ihn Anbetenden aus Uruk beerdigt wurde.

Und das war es dann auch schon mit historischen Belegen über Gilgameschs Leben. Also wieder zurück zur Legende, das ist eh unterhaltsamer ...

Im sumerischen Mythos "Inanna und der Huluppu-Baum" pflanzt die Göttin einen Huluppu-Baum in ihrem heiligen Hain nahe Uruk wieder ein, der bei einem großen Sturm entwurzelt wurde. Sie wollte ihn genug weiter wachsen lassen, dass sie einen Stuhl und ein Bett aus ihm fertigen könnte. Der arme Baum wurde jedoch von einer Schlange heimgesucht, die sich zwischen den Wurzeln einnistete und nicht vertreiben ließ, einem bösen weiblichen Geist (Lilith) im Stamm und dem Feuer und Wasser speienden Vogel Anzu in den Ästen. Inanna wandte sich an ihren Bruder, den Sonnengott, um diese drei Plagen aus ihrem Baum zu vertreiben, doch er lehnte ab. Der mächtige Gilgamesch akzeptierte, und als er die Schlange erschlug, flohen die Anderen. Inanna bekam ihr Bett.

In einer anderen Geschichte, die im Epos wiedergegeben wird, überkommt Ištar - passenderweise die Göttin der Liebe und des Krieges -, als sie den attraktiven, herausgeputzten Gilgamesch mit zurückgebundenem Haar sieht, die Lust. Sie bittet Gilgamesch, ihr Ehemann zu werden, und verspricht ihm dafür eine "Ernte der Reichtümer". Doch Gilgamesch lehnt ab, ihr Spielzeug zu sein, was sie so erzürnt, dass sie ihre Eltern Anu und Antum bittet, sie den "Bullen des Himmels" entfesseln zu lassen, damit er den arroganten Halbgott zu Tode trampelt. Ganz Uruk erzittert, als der Bulle brüllend und schnaufend niederkommt; Hunderte sterben, als die Erde unter seinen Hufen bricht. Gilgameschs "Gefährte" Enkidu greift den Bullen an und Gilgamesch folgt ihm schon bald. Zusammen erlegen sie die Bestie. Ištar ist mittlerweile auf die berühmten Mauern der Stadt geklettert und verflucht von dort die Krieger, flieht jedoch, als sie von Gilgamesch bedroht wird. Während Ištar und ihre Anhänger den Bullen betrauern (und Ištar darüber nachdenkt, was sie ihren Eltern erzählen soll), sonnt sich Gilgamesch in den Schmeicheleien seines Volkes.

Und dann gibt es noch die Geschichte von Gilgamesch und der Unterwelt. Sie beginnt damit, dass sich Gilgamesch bei Enkidu beschwert, dass eines seiner Besitztümer (welches genau ist unklar: in einer Übersetzung ist es eine Trommel, in einer anderen ein Ball - was einem einen Eindruck vermittelt, was in der Kindheit der Erde wichtig war) in die Unterwelt gefallen war. Enkidu meldete sich freiwillig, es zurückzuholen. Gilgamesch ist erleichtert, dass jemand anderes die Verantwortung für seine Sorglosigkeit übernehmen will, und erklärt seinem Freund ausführlich, was er alles nicht in der Unterwelt tun darf, wenn er von dort zurückkehren möchte. Und natürlich tut er alles trotzdem. Enkidu steckt in der Unterwelt fest, bis Gilgamesch die Götter Enki und Schamasch überzeugt, einen Spalt im Boden zu öffnen. Heraus springt der Geist seines Freundes. Aber nicht für lange.

In dem Epos reist Gilgamesch voller Trauer über den Verlust von Enkidu und dem Gedanken an seine eigene Sterblichkeit zu seinem Ahnen, dem weisen Utnapischtim, der seine weltlichen Besitztümer zurückgelassen und sich ein großes Schiff gebaut hat, um so die große Sintflut zu überleben. Der alte Mann rät Gilgamesch, seine Suche nach der Unsterblichkeit aufzugeben, berichtet ihm aber gleichzeitig von einer seltenen Pflanze, die den König wieder jung machen würde. Gilgamesch findet diese schließlich auf dem Grund eines Flusses, wo sie wächst, doch eine Schlange stiehlt sie. Als die Schlange sich wegschlängelt, wirft sie ihre Haut ab und wird wieder jung. Entmutigt kehrt der König nach Hause zurück.

Trotz allem lebte Gilgamesch - laut der alten sumerischen Königsliste - 126 Jahre lang. Kein übles Alter, selbst nach modernen Maßstäben, und erst recht spektakulär in einem Zeitalter von Hungersnöten, Kriegen, Dreck und Krankheiten, wo einen die kleinste Erkältung töten konnte. Um diese langen Jahre mit Inhalt zu füllen, bauten Gilgamesch und Ur-Nungal, sein Sohn und Nachfolger, den Tempel der Göttin Ninlil in der heiligen Stadt Nippur wieder auf, gerade etwas von Uruk aus den Fluss hinunter.

Zurück zu den Fakten ... also, vielleicht. Im Jahr 2003 behaupteten deutsche Archäologen, das Grab von Gilgamesch in einem einstigen Flussbett des Euphrats gefunden zu haben, begraben unter dem Sand der Wüste des Iraks. Die Magnetresonanztechnik, die präzise genug ist, den Unterschied zwischen ausgetrockneten Ablagerungen und antiken Lehmziegeln zu erkennen, zeigte Gartenanlagen, Gebäude und Mauern eines Palasts, der die Grabkammer des Halbgottes enthielt. Militäraktionen haben seitdem sämtliche Versuche der Ausgrabung unmöglich gemacht, aber es besteht noch immer die kühne Hoffnung, dass Archäologen eines Tages die Knochen des mächtigen Gilgamesch ausgraben werden.